Zum Nachtisch Adrenalin

Der von der erfolgreichen TV-Serie „Die Kochprofis“ bundesweit als „FO“ bekannte Fernsehkoch Frank Oehler, einst Junger Wilder und inzwischen – nicht weniger wilder – "Schlossherr" im Restaurant SPEISEMEISTEREI zu Schloss Hohenheim, gilt als Deutschlands schnellster Sternekoch, seit er zu nächtlicher Stunde die Distanz zwischen Hohenheim und dem heimatlichen Memmingen im Allgäu in weniger als einer Stunde zurückgelegt hat. Da der Inhaber einer Rennlizenz für alles schwärmt, was schnell und schön ist, haben wir ihn eingeladen zur Probefahrt mit einem der in jeder Hinsicht attraktivsten Sportwagen der Welt – dem ASTON MARTIN DBS.


Lizenz zum Fahren

 

Fast ehrfürchtig schiebt er den „Zünder“ in den Schacht im Armaturenbrett, und als das Aggregat willig anspringt und mit kurz erhöhter Drehzahl Leistungsbereitschaft signalisiert, entlockt allein schon dieser kraftvolle Sound dem autoaffinen Sternekoch Frank Oehler einen wohligen Kehllaut, so etwa wie „buoahhh“.

 

Der von der erfolgreichen TV-Serie „Die Kochprofis“ bundesweit als „FO“ bekannte Frank Oehler, einst Junger Wilder und inzwischen – nicht weniger wilder – Schlossherr im Restaurant SPEISEMEISTEREI zu Schloss Hohenheim, gilt als Deutschlands schnellster Sternekoch, seit er zu nächtlicher Stunde die Distanz zwischen Hohenheim und dem heimatlichen Memmingen im Allgäu in weniger als einer Stunde zurückgelegt hat. Da der Inhaber einer Rennlizenz für alles schwärmt, was schnell und schön ist, haben wir ihn eingeladen zur Probefahrt mit einem der in jeder Hinsicht attraktivsten Sportwagen der Welt – dem ASTON MARTIN DBS.

Schon beim Einstieg überrascht das edle Gefährt

 

Die Türen schwingen leicht nach vorn, vom Hersteller als „Schwanenflügel-Design“ bezeichnet und dem bequemen Ein- und Ausstieg durchaus förderlich. Als die Tür wieder satt ins Schloss fällt, prüft der Herr mit der berufsbedingt feinen Nase zunächst den Duft edlen Leders, das in Handarbeit sorgsam um die Armaturen genäht wurde. Beste Materialien und deren handwerklich meisterhafte Verarbeitung stehen seit jeher im Vordergrund bei jener britischen Autoschmiede, die durch Rennerfolge, nicht zuletzt aber auch durch klassische James-Bond-Filme weltweite Berühmtheit erlangte. Dazu edles, sportliches Design und natürlich ausgereifte Motor-, Getriebe- und Fahrwerkstechnik, die Grundvoraussetzungen für Sportwagen dieser Leistungs- und Preisklassse.

 

Einen Schalt- oder Wählhebel sucht man vergeblich auf der bulligen Mittelkonsole, stattdessen finden sich ganz oben, genau im Blickfeld, eine Reihe glasgedeckter Knöpfe mit den gängigen Automatik-Initialen P, N, R und D. Dahinter verbirgt sich ein hochpräzise schaltendes Sechs-Gänge-Menü, wie gemacht für den rasenden Sternekoch Frank Oehler. Ganz behutsam lässt er den edlen Renner anrollen, der dabei nur unwesentlich Drehzahl und Stimme anhebt. Wir haben am Hauptportal von Schloss Hohenheim Fotos gemacht und rollen jetzt in gebührlichem Schritttempo an des Herzogs Immobilie und seinem Park entlang. Oehler fragt erwartungsfroh, ob er denn mal durch den Tunnel unter der Flughafen-Startbahn brausen dürfe, was ich nur unter der Bedingung gestatte, dass wir dabei beide Fenster öffnen. Wir haben Glück und stehen als Erste an der roten Ampel, Pole-Position, die kerzengerade Unterführung liegt quasi jungfräulich vor uns… nun denn, es sei! Beherzt tritt Frank Oehler auf’s Gaspedal – und entfacht damit ein wahres Inferno! Zwölf Zylinder, jeder einen halben Liter groß und von jeweils vier Ventilen angesteuert, entfalten eine derart brachiale Kraft, die man dem bis dahin „braven“ Automobil nicht zugetraut hätte. Das Geräusch, das der DBS dabei entwickelt, lässt den Atem stocken und ist dem eines reinrassigen Rennboliden durchaus ähnlich! 517 PS macht das entfesselte Aggregat unter der edel lackierten Motorhaube locker. Bei fliegendem Gangwechsel, praktisch ohne Schub­unterbrechung, zeigt der vermeintlich lammfromme Wagen offensichtlich mit größter Lust sein wahres Gesicht und verrät seine Herkunft aus dem Rennsport. Nach etwas mehr als 4 Sekunden ist die 100 km/h-Marke ge­knackt, genug der Beschleunigung hätte der Kraftprotz erst bei Tempo 300!

 

 

 

 

 

Startbahn-Tunnel sind leider sehr kurz, weshalb man jetzt doch mal zügig das andere Pedal bedienen sollte. Und auch hier überzeugt der sportliche Brite mit vehementer Leistung bei der Verzögerung – was angesichts der knapp 40 cm großen Karbon-Keramik-Bremssscheiben und Sechskolben-Bremssätteln nicht verwunderlich scheint. Wie harmlos dieser gepflegte 12-Zylinder jetzt wieder vor sich hin brummelt, limousinenhaft, fast schüchtern, und doch jederzeit bereit, mit seinen gewaltigen, 295/20 großen Hinterwalzen erneut den Asphalt aufzuheizen. Durchdrehen? Nein, das wäre Verschwendung in jeder Hinsicht und überdies nicht ungefährlich, derartig ungezogenes Verhalten wird von der elektronischen Traktions­kontrolle bei jedem Untergrund zuverlässig verhindert. Freilich – sie lässt sich auf Knopfdruck auch abschalten, doch vor dieser gewagten Maßnahme sei an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt!

Der Aston Martin DBS beschleunigt ohne Unterlass

 

„Wir müssen auf die Autobahn“, bettelt der rennerprobte Starkoch, „nur ganz kurz, aber das muss jetzt sein!“ Wie wollt‘ ich’s ihm verweigern – also los! Bei der Messe fädeln wir uns in den überschaubaren Verkehrsfluss ein. FO benutzt jetzt frech, aber gekonnt, die beiden Schaltwippen beidseits des handgenähten Lederlenkrades. Okay, der Oehler kann’s: behutsam hat er sich durch das Sechs-Gänge-Menü gearbeitet, hat stufenweise zurück­geschaltet, bis die Maschine jenen Drehzahlbereich erreicht hat, bei der sie sich so ausgesprochen wohl fühlt, um die 4000 UPM – sorry: RPM. Jetzt geht alles, wirklich alles, sehr schnell: Blinker lohnt sich nicht, dritte Spur links außen, wieder dieses infernalische Brüllen, der Aston Martin DBS beschleunigt ohne Unterlass, lässt einfach nicht nach und genießt die fliegenden Gangwechsel – und Deutschlands schnellster Sternekoch genießt sie noch mehr! „Zweihundertsiebzig“, brüllt er zu mir rüber. Der Wagen liegt wie ein Brett, er ist ganz in seinem Element, und Oehler genießt, konzentriert zwar, aber lächelnd! Beim sanften Einbremsen an der übernächsten Ausfahrt ergibt sich der folgende, ausführliche Dialog: Reporter: „Und?“ Oehler: „Oh ja, doch, schon!“ Das hätte er nicht erwartet, wiederholt er immer wieder, Leistung schon, aber das nicht!

 

Wieder zurück in der Speisemeisterei hüpfelt einer seiner Köche wie ein Fünfjähriger um den prominent vor der Terrasse geparkten Wagen, dessen vier Endrohre noch genussvoll nachklingeln. Oehler muss nicht rätseln ob dessen Begehr, vielmehr wirft er mir einen fragenden, nein: flehenden Blick zu… „Aber nur kurz, und nicht auf die Autobahn!“ „Nein nein, nur noch einmal kurz durch den Tunnel, okay?“ Die beiden huschen unter die Schwanenflügel-Türen wie zwei Lausbuben, und weg sind sie. Ihre Rückkehr kündigt sich akustisch an: lange vor dem Eintreffen am Schloss hört man dann und wann dieses herzhafte Brüllen eines sehr sportiven Fahrzeugs irgendwo in der Ferne. Ganz ähnlich klang das damals, als Rennfahrer-Legenden wie Jim Clark oder Jack Brabham auf der Solitude-Rennstrecke durch das Mahdental heranbrausten und vom Glemseck hinauf­beschleunigten – derlei vergisst man sein Lebtag nicht.

 

 

Frank Oehlers Augen leuchten wie LED-Birnchen und spiegeln Adrenalin pur, doch angesichts der voll besetzten Terrasse reißt sich der als eher gesprächige Allgäuer zusammen und stammelt nur einzelne Superlative wie „unglaublich, traumhaft, begnadet, Wahnsinn…“. Und während die Gäste erneut ihre Foto-Handys aktivieren, torkelt der Beifahrer, wortlos und sichtlich benommen, der nahen Küche zu. Auch Frank Oehler muss sich jetzt wieder um seine Gäste kümmern, die Speisemeisterei ist mal wieder ausgebucht, man erwartet vom Chef de Cuisine zu Recht, dass er nicht nur die 12 heißen Töpfe eines Aston Martin beherrscht, sondern auch die in der vielgelobten herzöglichen Küche.